Bewusstheit und Verständnis sind gute Türöffner für die Zukunft

5 Fragen an Sven Jantzen vom vlf Landesverband


Herr Jantzen, Sie haben 2005 Ihre Laufbahn als Berufsschullehrer gestartet. Seit 2018 sind Sie Abteilungsleiter für den Bereich Agrarwirtschaft im Berufsbildungszentrum Bad Segeberg. Können Sie sich noch an den ersten Kontakt mit dem vlf erinnern? Und was fasziniert Sie so am vlf?

Meine erste bewusste Begegnung war 2005 als ich im Referendariat war. Irgendwo hatte ich einen Kugelschreiber des vlfs bekommen, ohne zu wissen, was sich hinter den drei Buchstaben verbirgt. Ich war zum Erntetreffen eingeladen und traf dort zum ersten Mal auf Heino Burmeister, der damals Ausbildungsberater der Landwirtschaftskammer und eng mit dem vlf verbunden war. Das erste, was er zu mir sagte war: „Den richtigen Kuli haben Sie ja schon.“ Danach nahmen die Dinge dann ihren Lauf. Durch mein Referendariat an der Schule in Bredstedt bekam ich schnell Kontakt zum vlf Nordfriesland und die damaligen Vorsitzenden Jens Andreas Christian und Ute Volquardsen. Das Programm des Ortsvereins floss mit in den Unterricht ein. Mich beeindruckte die Auswahl an hochwertigen Referenten und die Qualität der Vorträge. Heute bin ich Mitglied im vlf Lubeca, wo dies nicht anders ist. Ich schätze es sehr, mit den Unternehmern ins Gespräch zu kommen und dass meine Vorschläge für Themen dort im Vorstand Gehör finden. Ich kann nur sagen: Alle unsere vlfs haben spannende Programme und sind aber auch immer offen für Beiträge von außerhalb.

Seit 2016 vertreten Sie die Beruflichen Schulen im vlf-Landesverband. Was schätzen Sie an der Arbeit im Landesvorstand?

Wir pflegen im Landesvorstand eine vertrauensvolle Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Die unterschiedlichen Vertreter/innen aus den verschiedenen Bereichen inspirieren sich gegenseitig. Dazu kommt viel Kreativität und die große Lust am Gestalten, auch im bildungspolitischen Bereich. Für mich persönlich ist es ein besonderer Bonus, dass alle Mitglieder im Vorstand an der Entwicklung in den Berufs- und Fachschulen so sehr interessiert sind. Die Bedeutung der schulischen Weiterbildung wird gesehen und wertgeschätzt.

Die Aus- und Weiterbildung hatte in Ihrem Leben schon immer einen hohen Stellewert. Warum ist gerade die Fachschule Ihrer Meinung nach ein guter Bildungsweg?

Die Fachschule orientiert sich sehr stark an der Praxis und kann gut auf die Ansprüche zukünftiger Unternehmer/innen reagieren. Der Unterricht findet in allen Fächern sehr anwendungsorientiert statt. So bezieht sich z.B. das Fach Betriebswirtschaftslehre vollständig auf die Zusammenhänge und Abläufe in landwirtschaftlichen Betrieben. Es wird oft in kompakten Einheiten beschult, was ein intensiveres Arbeiten ermöglicht. Vielen praktisch orientierten Schülern liegt diese Art des Lernens einfach mehr. Dazu kommt, dass die Lehrkräfte häufig Quereinsteiger mit starkem Bezug zur Landwirtschaft sind. Dies alles ist allen drei Fachschulstandorten in Bredstedt, Rendsburg und Bad Segeberg gemeinsam. Die Durchlässigkeit des Schulsystems ermöglicht außerdem Fachschulabsolventen, auch ohne Abitur, den Zugang zum Studium.

Was würden Sie jungen Menschen empfehlen, die sich den Agrarbereich als berufliche Heimat vorstellen können?

Eine solide Ausbildung ist ein guter Einstieg in den Agrarbereich. Immer zu empfehlen ist ein Prakti-kum im Vorwege, um die praktischen Tätigkeiten auszuprobieren und einen Eindruck von der Arbeit zu gewinnen. In der Ausbildung bietet sich dann die Möglichkeit ganz unterschiedliche Betriebstypen kennenzulernen. Auch sollte man die Chance nutzen, die Breite des Agrarbereichs insgesamt zu erforschen. Nicht nur in der praktischen Landwirtschaft bieten sich Möglichkeiten, sondern auch in den vor- oder nachgelagerten Bereichen. Die Fachschule bietet nach Ausbildung und Praxisjahr in den einschlägigen Berufen ein gutes Sprungbrett. Bereits nach einem Jahr kann hier der staatlich geprüfte Wirtschafter erworben werden und das zweite Jahr in der Höheren Landbauschule befähigt zur Ausbildung und bietet gute Voraussetzungen einen Betrieb zu führen. Die Fachschule ist auch eine gute Option für eine berufliche Umorientierung. Immer öfter finden hier auch andere praktische Berufsabsolventen, wenn sie die Nähe zur Landwirtschaft mitbringen, ein gutes Zuhause. Auch Studienabbrecher fühlen sich oft aufgrund des hohen Praxisanteils bei uns besser aufgehoben. Doch auch nach der Fachschule geht das Lernen weiter. Hier sind unsere vlf-Ortsvereine verlässliche Partner.

Das bringt uns zum Ende unseres Interviews. Eine letzte Frage: Was wünschen Sie sich für den vlf?

Ich wünsche mir, dass der vlf als das wahrgenommen wird, was er ist: als Brückenbauer zwischen den Menschen und als zuverlässiger Partner, der im Bereich der betrieblichen Entwicklung unterstützt. In den Vorständen der Ortsvereine haben sich engagierte Ehrenamtler intensive Gedanken darum gemacht, damit Zuhörer ein hochkarätiges Angebot nutzen können. Dafür möchte ich das Bewusstsein schärfen. Die vlf-Ortsvereine sind außerdem ein wertvolles Element um Menschen zu vernetzen, weg vom Bildschirm – hin zum direkten Kontakt. Wir sind eben das Bildungsnetzwerk im Agrarbereich.

Das Interview führte Solveig Ohlmer, vlf Bildungsreferentin. Weitere Informationen zu den Fachschulen finden Sie auf der Internetseite der Landwirtschaftskammer unter www.lksh.de/berufs-und-fachschulen/